Entstehungsgeschichte E2

 

Adam Wieland & Egon Eiermann

Ein Begegnung mit Folgen

1963 bewirbt sich Adam Wieland auf eine Stelle im Institut für Grundlagen der Gestaltung an der Technischen Hochschule (TU) Karlsruhe und arbeitet bis zu seiner Selbstständigkeit 1993 an der Fakultät als Leiter der Metallwerkstatt. Dort lernt er 1964 Prof. Egon Eiermann im Zuge der studentischen Betreuung kennen und schätzen.

Nachdem Adam Wieland die Metallwerkstatt aufgebaut hat, übernimmt er 1964/65 die Kursleitung für Metallverarbeitung. Die Vermittlung von handwerklichen Grundkenntnissen steht am Anfang des Grundstudiums und ist bis heute ein wichtiger Teil der praktischen Ausbildung an der TU Karlsruhe.

Anfangs noch ca. 65 Studienanfänger, betreut Adam Wieland bis 1993 jährlich rund 190 Studenten im Rahmen des Architekturstudiums. Neben der Vermittlung von Grundlagen des Metallhandwerks betreut er die Architekturstudenten beim Bau ihre Modelle und Detailkonstruktionen.

Egon Eiermann

Architekt & Gestalter der 2. Moderne

Egon Eiermann (1904-1970) gehört neben Hans Scharoun zu den wichtigsten Architekten der „2. Moderne“ und hat die deutsche Architekturgeschichte im 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt. 1947 folgt er dem Ruf als Professor an die Fakultät für Architektur an der TU Karlsruhe. Hier lehrt er bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1970 und prägt für lange Zeit das Profil der Universität.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen u.a. die Taschentuchweberei in Blumberg (1949-1951), der Deutscher Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel (1958, zusammen mit Sep Ruf), das Abgeordneten-Hochhaus des Bundestags in Bonn (1965–1969), auch bekannt als „Langer Eugen“, sowie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin (1959–1963).

Bevor das eigentliche „Eiermann-Gestell“ entsteht, taucht bereits um 1944 ein Tischgestell auf, welches in Egon Eiermanns Ausweichbüro in Beelitz-Heilstätten, der ’Baracke’, benutzt wird. Wer das Gestell entwickelt hat ist nicht bekannt. Anders als bei dem Tischgestell von 1953 sind es hier 2 waagerechte Querstreben (mittig an den Seitenteilen oben und unten) die mit den Seitenteilen verschweißt wurde.

Das Eiermann-Gestell entsteht
1953 entwirft Eiermann gemeinsam mit Studenten das berühmte Tischgestell aus Metall für die Arbeit in Zeichensälen und Architekturbüros. Bei seinem Entwurf orientiert er sich an einem Gussgestell aus dem Jahre 1900. Das im Kunstguss gefertigte Gestell besteht aus zwei Seitenteilen die mit diagonalen Kreuzstreben verbunden sind. Interessant ist hier die Konstruktion der Kreuzstrebe, die aus einem Gussteil besteht und mit den beiden Seitenteilen verschraubt wird.

Eiermann dagegen konstruiert zwei Seitenteile, die mit einem diagonalen Kreuz zu einem biegesteifen Tischgestell fest verschweißt werden. Eine einfache Holzplatte wird auf das Gestell gelegt und diente als Zeichenunterlage. Das Gestell ist ein typischer Entwurf, der Eiermanns streng rationalistische Haltung mit vorwiegend orthogonaler Geometrie und analytischer Klarheit widerspiegelt. Das Gestell von 1953 lässt Egon Eiermann einige Jahre von der Firma Max Meier in Grötzingen fertigen.

Das Gussgestell, an dem sich Eiermann orientierte, ist heute im Besitz der Adam Wieland GmbH & Co. KG. Über die Brüder Biro, zwei Mitarbeiter aus dem Büro von Egon Eiermann, bekamen wir den entscheidenden Tip und wurden bei der Schreinerei Fehrenbach fündig, die damals viel mit dem Büro von Egon Eiermann zusammengearbeitet hat.

Geschichte einer Konstruktion. Die Entstehung des E2

Feinheiten und konstruktive Merkmale

Ähnlich wie für die Firma Max Meier ist auch für einen Assistenten von Egon Eiermann das größte Problem des Tisches dessen Transport. 1965 denkt dieser, infolge seines Umzugs nach Freiburg, über eine transportable Version des Tischgestells nach. Er geht zu Adam Wieland mit der Bitte, das fest verschweißte Gestell so auseinander zu sägen dass er es später mit Hilfe von Steckverbindungen wieder zusammensetzen kann. Adam Wieland schlägt jedoch vor, das Gestell grundsätzlich zu überarbeiten.

Daraufhin modifiziert Adam Wieland den gesamten Tisch, sodass er verschraubbar, demontierbar und transportabel wird. Gleichzeitig stellt er die ursprünglich raumdiagonal angeordneten Kreuzstreben senkrecht und reduziert das Gesamtgewicht aufgrund optimierter Rohrquerschnitte. Der E2 ist geboren.

Wenige Tage danach begutachtet Egon Eiermann den neuen Entwurf und ist begeistert.

Der Name entsteht

Der E2 ist der Eiermann 2

Noch im gleichen Jahr beginnt Adam Wieland mit der Produktion des Tischgestells in der Metallwerkstatt. Da die großen Übungssäle erst später gebaut werden, bestellen fast alle Studenten bei Ihm einen Tisch. Später stattet Adam Wieland auch die Seminar- und Besprechungsräume der TH Karlsruhe aus. Das Tischgestell der Stunde Null ist schwarz lackiert – damals gibt es noch keine Verchromung – und wird für 28 D-Mark verkauft.

Von da an ist der Erfolg des E2- Tischgestells nicht mehr aufzuhalten. Während die Produktion des festverschweißten Eiermanns später eingestellt wird, etabliert sich das Tischgestell von Adam Wieland im Laufe der nächsten 45 Jahre als der Tisch für Architekten, Designer und Kreative. Schon die ersten Kunden bezeichnen das modifizierte Gestell, dem Adam Wieland anfänglich keinen eigenen Namen gibt, als “Eiermann” oder “Eiermann 2”. Eine schöne Hommage an das Ursprungsgestell von 1953, auf die wir bis heute sehr stolz sind.

2009 wird schließlich der Produktname E2 entwickelt und als Marke beim deutschen Patentamt angemeldet. Hand Arbeit Heute ist der E2 aus der Architektur-, Kreativ- und Wohnwelt nicht mehr wegzudenken. Das zeitlose, funktionale Design sowie die hohe Verarbeitungsqualität des E2 stehen für eine Herstellerphilosophie, die seit über 45 Jahren am Traditionsstandort in Karlsruhe gelebt wird.

Sinn und Unsinn über den Eiermann 2

Chronologie der Produktentwicklungen von Adam Wieland

Über das Eiermann-Tischgestell und seine Entstehungsgeschichte wird viel geschrieben und auch manches Märchen erzählt. Dabei ist die Geschichte ganz einfach: Egon Eiermann entwickelt 1953 das Eiermann-Tischgestell; ohne Zubehör, ohne Varianten – ein schlichter und zeitloser Entwurf.

Alles was in den nächsten 40 Jahren kommt und von vielen heute als Eiermann Tischgestelle bezeichnet wird und nicht dem biegesteifen, festverschweißten Original von 1953 entspricht, geht auf den Entwurf und die vielen Weiterentwicklungen von Adam Wieland aus den Jahre 1965-1985 zurück.

So sind die z.B. die Höhenversteller, der Eiermann - Kindertisch wie auch das Eiermann-Tischgestell mit versetztem Kreuzstreben von 1985 alle von Adam Wieland entwickelt worden. Damit aus Märchen keine Legenden werden, finden Sie hier chronologisch die wichtigsten Produktentwicklungen von Adam Wieland:

1965 - E2 Tischgestell
Adam Wieland modifiziert das Ursprungsmodell, sodass es verschraubbar, demontierbar und transportabel wird. Er stellt die ursprünglich raumdiagonal angeordneten Kreuzstreben senkrecht und optimiert die Rohrquerschitte. Dieses Modell mit den Maßen 660x600x1000 mm führen wir seit über 45 Jahren im Sortiment.

1966 - Höhenversteller
Da Egon Eiermann sein Gestell ursprünglich als Zeichentisch mit einer Höhe von 660 mm konzipierte, entwarf Adam Wieland 1965 zusätzlich erst feste und später die variablen Höhenversteller. Somit war es möglich, das neue Tischgestell als Schreibtisch mit einer Höhe von 720 mm zu verwenden. Egon Eiermann selbst hat nie Höhenversteller für sein Tischgestell entworfen.

1983 - E2 Stehpult
Das Stehpult wurde nach seiner Entwicklung durch Adam Wieland ab 1984 ins Sortiment aufgenommen.

1985 - E2 Kindertisch und Tischgestell mit versetzten Kreuzstreben
Aufgrund der hohen Nachfrage aus dem Wohn- und Objektbereich entwickelt Adam Wieland 1985 den E2 Kindertisch und den E2-Schreibtisch mit versetzten Kreuzstreben für eine besser Beinfreiheit. Der Kindertisch wird von Grund auf neu entwickelt, die Proportionen kindgerecht angepasst, ohne jedoch das zeitlose Design des Klassikers zu verwässern.

1985-2009
In diesen Jahren entstehen die meisten Zubehörteile wie Kabelkanal, Plattenverstärker und der Höhenversteller mit Kopfplatte. 2009 wird in Zusammenarbeit mit dem Produktdesigner Kai Funke der PC-Halter komplett überarbeitet.

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